Der letzte Zentrist: Scott Adams ist tot

Scott Adams ist tot. Der Dilbert-Schöpfer, der uns lehrte wie wir mit fast allem scheitern und doch „bigly“ gewinnen, wurde 68 Jahre alt.

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(Scott Adams: Art of Charm, CC BY 3.0, via Wikimedia Commons)

Der Comiczeichner, Autor und Podcasthost Scott Adams wurde den meisten durch Dilbert bekannt. Dilbert, der Büroarbeiter mit der unzähmbaren Krawatte war für drei Jahrzehnte das Symbol des sinnlosen Wahnsinns des Büroalltages.

Ein Überzeugungs-Täter

Im Jahr 2015 sagte er als einer der Wenigen den Wahlsieg Donald Trumps voraus und zwar nicht anhand von Umfragedaten, sondern allein auf Basis von Trumps Überzeugungstechniken. Adams, der neben seiner Zeit als Angestellter einer Telefongesellschaft auch eine Ausbildung zum Hypnotiseur in seinem Lebenslauf hatte, verstand etwas von Überzeugungstechniken. Keiner erklärte so wie er, wie Framing funktioniert, wie bestimmte Ansichten und Meinungen durch eine bestimmte Darstellung einfach vorausgesetzt werden. Vor allem verstand er, wie diese Techniken nicht nur manipulativ gegen andere eingesetzt werden können, sondern auch um sich selbst und sein eigenes Leben zu verbessern. Adams war der festen, vielleicht uramerikansichen Überzeugung, daß der Mensch seines Glückes Schmied ist und sich seine eigene Wirklichkeit erschafft.

Als er merkte, daß Leute interessiert waren, machte er daraus eine Show: Coffee with Scott Adams.

Der letzte Zentrist

Das klingt nach dem dümmsten Hipsterdreck der Weltgeschichte. Aber es passte. Scott Adams war vielleicht der letzte wirkliche Zentrist, der letzte Mensch aus der „Mitte der Gesellschaft“, dem in einer polarisierten Zeit den Seiltanz zwischen den Lagern gelang. Es gibt genug, die es versuchen, aber die allermeisten kommen als erbärmliche kleine Feiglinge rüber. Aber Adams stand tatsächlich darüber. Er war sein eigener Mann, ein tatsächlich unabhängiger Kopf und ein fester Charakter und man nahm ihm die Überparteilichkeit ab. Das hinderte die üblichen Verdächtigen nicht daran, ein Boykott der Comicreihe Dilbert bei über hundert Zeitungen durchzudrücken.

Die Kunst zu sterben

Im Mai vergangene Jahres gab er seine aggressive Krebserkrankung bekannt. Trotz fürchterlicher Schmerzen schrieb, redete und streamte Adams bis kurz vor seinen Tod. Seine Konversion zum Christentum, in Anerkennung der pascalschen Wette, war von solch olympischer Heiterkeit, daß ihm auch die frömmsten Eiferer nicht böse sein konnten, daß er eigentlich nicht glaubte, aber die Kosten-Nutzen-Risiko-Rechnung überzeugend fand. In einer vom Spektakel geprägten Zeit starb er in einer stillen, unaufdringlichen Öffentlichkeit. Trotz aller Versuche ihn zu canceln, wird er von einem Millionenpublikum vermisst.