Ganz gewöhnliche Gauner

Mit Andrew Mountbatten-Windsor (ehemals Prinz Andrew) ist der erste Epstein-Komplize nach Veröffentlichung der Akten verhaftet. Wenn auch nur für 12 Stunden. Auch diesmal geht es um Wirtschaftsverbrechen.

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(Bildmontage: Offensiv!; Jefery Epstein: Palm Beach County Sheriff’s Department, Public domain, via Wikimedia Commons; Epsteins Privatinsel Little St James Island: Navin75CC BY-SA 2.0, via Wikimedia Commons; Andrew Mountbatten-Windsor: Titanic Belfast, CC BY 2.0, via Wikimedia Commons)

Der Epstein-Skandal erhitzte die Gemüter vor allem wegen des Verdachts auf schwerste Sexualverbrechen an Kindern. Die Veröffentlichungen der Untersuchungsakten deckten bisher aber vor allem Wirtschaftsverbrechen auf. Die härtesten Einschläge erfolgten dafür bisher nicht in den Vereinigten Staaten, sondern im ehemals großen Britannien. Oder dem Yuuu Kay, wie es seit Tony Blair heißt.

Aus Blairs engstem Umfeld stammt auch Peter Mandelson, ehemaliger Minister, ehemaliger Botschafter in den Vereinigten Staaten und bald ehemaliger Lord, der als erster seinen Hut nehmen musste. Ihm wird vorgeworfen, dass er während der großen Finanzkrise Insiderinformationen der britischen Regierung an die Bankierskreise hinter Epstein weitergab, der zeitweilig von sich behaupten konnte, die Rothschilds zu vertreten.

Verdacht: Amtsmissbrauch

Nun hat es auch Andrew Mountbatten-Windsor erwischt. Ehemals Prinz Andrew, er wurde bereits vor Monaten wegen seiner Verbindungen zu Epstein aus der königlichen Familie ausgestoßen und seiner Titel enthoben. Er wurde nun als erster „Royal“ oder zumindest „Ex-Royal“ seit Jahrhunderten verhaftet. Für zwölf Stunden, nach denen er wieder auf freien Fuß gesetzt wurde. Auch hier geht es nicht um die Frage, ob er vor 26 Jahren mit der damals 17-jährigen Virginia Guiffre geschlafen hat oder nicht und ob das nun Prostitution war oder nicht (was ja der juristische Knackpunkt solcher Fälle ist), sondern um etwas sehr viel Handfesteres, dafür aber Langweiligeres: Nicht der Missbrauch Minderjähriger, sondern der Missbrauch seines Amtes.

Eine satanische Kabale wäre weniger deprimierend

Konkret: Mr. Mountbatten-Windsor wird vorgeworfen, während seiner Zeit als Handelsgesandter (2001–2011) vertrauliche Informationen aus britischen Regierungskreisen an Epstein weitergegeben zu haben. Die Verhaftung des ehemaligen Prinzen hat also das alles erregt weit weniger die Fantasie als die Spekulationen. Aber das scheint die triste Enthüllung der Epstein-Files zu sein. Wir werden von ganz gewöhnlichen Gaunern regiert. Eine satanische Kabale wäre irgendwie weniger deprimierend gewesen.