Herzzerreißend, aber keine Vertuschung

In Spanien soll Noelia Castillo Ramos Sterbehilfe erhalten. Dass sie Opfer einer Gruppenvergewaltigung wurde, gab sie erst vor wenigen Stunden bekannt. Ein kolportiertes Justizversagen liegt nicht vor.

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(Spaniens Oberster Gerichtshof entschied für die Sterbehilfe von Noelia Castillo Ramos: Luis García, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons; Wappen Spaniens: See page for author, Public domain, via Wikimedia Commons)

Die 25 Jährige Spanierin Noelia Castillo Ramos will morgen am 26, März 2026 durch Sterbehilfe aus dem Leben scheiden. Der Fall ist herzzerreißend. Noelia wurde in zerrütte Verhältnisse hineingeboren. Als sie 13 Jahre alt war, entzog der spanische Staat ihren Eltern das Sorgerecht. Sie kam in ein Heim. Sie war und ist von Depressionen geplagt. Seit einem Selbstmordversuch 2022 ist sie gelähmt, leidet unter schweren Schmerzen. Doch dass wir hier über sie berichten hat einen anderen Grund. Beinahe wäre hier nämlich ein ganz anderer Text zu Noelia erschienen.

Zwei Jahre Rechtsstreit um Sterbehilfe

Aufmerksam wurde wir auf diesen Fall, weil er durch die Sozialen Medien ging, als Beispiel dafür, wie sich der spanische Staat eines äußerst unbequemen Falles durch Sterbehilfe zu entledigen suche. Ihr Vater versuchte mithilfe einer christlichen Kanzlei zwei Jahre lang, die Sterbehilfe vor Gericht zu verhindern. Dadurch wurde Noelias Geschichte überhaupt erst in Spanien bekannt. Der Fall ging zum obersten Gerichtshof in Spanien und dann vor den europäischen Menschenrechtsgerichtshof. Die Gerichte entschieden gegen den Vater.

Gruppenvergewaltigung durch Sterbehilfe entsorgt?

Nun erfährt man aber, dass Noelia vor dem Selbstmordversuch durch Sprung aus dem Fenster, der sie seit 2022 an den Rollstuhl fesselt, Opfer einer Gruppenvergewaltigung geworden war. Beim Wort „Gruppenvergewaltigung“ haben wir uns daran gewöhnt, von einer bestimmten Klientel zu hören. Deshalb verbreitet sich derzeit die Geschichte, Noelia sei das Opfer von Migranten im Heim geworden und der spanische Staat versuche nun sich dieser unappetitlichen Geschichte dadurch zu entledigen, dass er einer geistig unzurechnungsfähigen jungen Frau den Selbstmord ermöglicht.

Erste Recherchen: Dröhnende Stille

Tatsächlich ergaben erste Recherchen, dass sich absolut nichts über die Täter, oder eventuelle Prozesse finden ließ. Das machte das Ganze gleich doppelt verdächtig und beinahe hätte an dieser Stelle jetzt eine Artikel über diese offenbar totale Informationssperre erschienen, die in dieser Form in einem solchen Fall neu wäre. (Und für den Berichterstatter sehr unheimlich, weil er dann auch nur noch spekulieren kann. Immerhin ist es ja nie ausgeschlossen, daß eine psychisch Kranke sich so etwas einfach ausdenkt.)

Noelia erzählte vor wenigen Stunden zum ersten Mal davon

Dann aber stießen wir durch Zufall, noch auf einen spanischen Medienbericht, der, im Unterschied zu den anderen, nicht nur von der Gruppenvergewaltigung berichtet, sondern Noelia im Wortlaut zitierte: „Ich wurde von drei Jungs vergewaltigt. Ich habe es nie angezeigt, weil es nur wenige Tage vor meinem Sprung vom Balkon war.“ Diese letzte Kleinigkeit haben andere Berichterstatter offenbar nicht für erwähnenswert gehalten.

Kein Vertuschen

Wer nun die Täter sind, darüber gibt es weiterhin keinerlei Hinweis. Aber dies liegt ganz offensichtlich nicht an einem Versagen der Justiz und erst recht nicht an einer Vertuschungsaktion. Dafür, dass die drei Vergewaltiger zur üblichen Tätergruppe gehört, stehen die Chancen nicht schlecht, aber auch dann: Die Genehmigung der Sterbehilfe durch die Gerichte hat nichts damit zu tun, dass der spanische Staat Noelias Fall zu den Akten legen will.

Bitte keine Falscherzählungen verbreiten

Es ist trotzdem davon auszugehen, daß im Verlauf des morgigen Tages der Narrativ von der nie verfolgten Gruppenvergewaltigung die Runde machen wird. Wir können unsere Leser nur bitten derartiges nicht weiterzuverbreiten und wo möglich zu widersprechen. Sowohl um Noelias und ihrer Familie willen, als auch darum, dass wir uns nicht lächerlich machen.

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