Gegen Peter Mandelson, graue Eminenz der britischen Regierung, wird wegen den Epsteinveröffentlichungen ermittelt. Der Vorwurf: Insiderhandel.

(Peter Mandelson: Foreign, Commonwealth & Development Office, CC BY 2.0, via Wikimedia Commons)
Gegen Peter Mandelson, graue Eminenz der britischen Regierung, wird wegen der Epstein-Veröffentlichungen ermittelt. Der Vorwurf: Insiderhandel.
Peter Mandelson (72) muss zurücktreten. Wieder einmal. Denn es ist wahrlich nicht das erste Mal, dass Korruptionsvorwürfe gegen den Mann laut werden, der als graue Eminenz der Labourpartei gilt. Nach einer Karriere als Fernsehsprecher wurde Mandelson 1985 Pressesprecher und Wahlkampfleiter der Labourpartei. Es war die Hochzeit der Regierung Thatchers. Labour galt vielen als Kraft von gestern, eine Partei, die Bahngewerkschaften verteidigte, die erzwangen, dass Heizer, also Kohlenschaufler, auf elektrischen Lokomotiven mitfuhren.
Medienarchitekt von New Labour
Mandelson als Medienfachmann war es, der an der Seite Tony Blairs dieses altbackene Image umkrempelte und „New Labour“ erschuf: Neoliberalismus mit sozialdemokratischen Charakteristiken. 1997 eroberte New Labour mit Downing Street No. 10 in einem Erdrutschsieg.
Zusammen mit Bodo Hombach, dem Kanzleramtsminister Gerhard Schröders, verfasste Mandelson das Blair-Schröder-Papier, die Programmschrift der neuen europäischen Sozialdemokratie. Als dieses Papier am 8. Juni 1999, kurz vor der Europawahl, veröffentlicht wurde, hatte Mandelson bereits zurücktreten müssen: Er hatte einen zinslosen Kredit über 373.000 Pfund angenommen. Im Oktober 1999 war er dann schon wieder im Kabinett, diesmal als Nordirlandminister. 2001 musste er wegen eines Skandals um die Vergabe der britischen Staatsbürgerschaft an einen reichen Inder zurücktreten.
Gab Mandelson Insiderinfos über Bailouts weiter?
Das Hin und Her aus Skandal, Rücktritt und Comeback ist kennzeichnend für Mandelsons Karriere. 2008 wurde er als Wirtschaftsminister Teil der Regierung Brown. Brown, der jetzt Mandelson mangelnden Patriotismus vorwirft, war es auch, der ihn damals für einen Sitz im britischen Oberhaus und die Adelung als Sir Mandelson vorschlug. Aus dieser Zeit stammen auch die jetzigen Vorwürfe: Mandelson soll Epstein und damit die Finanzakteure hinter ihm mit Insiderinformationen über bevorstehende Maßnahmen in der großen Finanzmarkt- und später der Eurokrise versorgt haben. Zwischen 2003 und 2004 sollen insgesamt 75.000 Pfund von Epstein an Mandelson geflossen worden sein.
Entlassen im September
Nachdem Labour unter Keir Starmer zum ersten Mal seit 14 Jahren wieder die Regierung stellte, gelang Mandelson erneut die Rückkehr in die große Politik, diesmal als Botschafter in den Vereinigten Staaten. Von diesem Posten wurde er im September 2025 entlassen, nachdem erste Veröffentlichungen seine jahrelangen Kontakte zu Jeffrey Epstein ans Licht gebracht hatten. Nun muss er auch seinen Sitz im Oberhaus vorerst ruhen lassen und sieht sich strafrechtlichen Untersuchungen gegenüber.
