Mandelsons Verbindungen bedrohen Blairs Erbe

Die Epstein-Akten haben eine Regierung an den Rand des Zusammenbruchs gebracht. Nur nicht die amerikanische, sondern die britische. Das Erbe Tony Blairs liegt in Scherben.

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(Downing Street No. 10 im Dunkeln: U.K. Prime Minister, OGL 3, via Wikimedia Commons)

Peter Mandelson, einstiger Architekt der modernen Labour-Partei unter Tony Blair und kürzlich entlassener US-Botschafter, steht im Zentrum des Skandals: Dokumente belegen enge finanzielle und informative Verbindungen zu dem verurteilten Sexualstraftäter Epstein, einschließlich des Weitergebens marktsensibler Staatsinformationen während der Finanzkrise 2008.

Wirklich Verrat?

Die Weitergabe geheimer Informationen könnte sogar im juristischen Sinne den Straftatbestand des Verrats erfüllen. In jedem Fall erschüttert sie die Grundfesten der Labour-Partei.

Die Kontroverse begann mit Starmers Entscheidung im Dezember 2024, Mandelson trotz bekannter Epstein-Verbindungen zum Botschafter in Washington zu ernennen. Mandelson, oft als „Prince of Darkness“ bezeichnet, war eine Schlüsselfigur in der Transformation von Labour zu New Labour – einer marktfreundlichen, zentristischen Bewegung, die Blair 1997 an die Macht brachte.

Insiderhandel

Doch neue US-Justizdokumente, veröffentlicht im Januar 2026, enthüllen eine weitaus intimere Beziehung: Epstein zahlte Mandelson 75.000 US-Dollar in drei Tranchen zwischen 2003 und 2004, und Mandelson teilte 2008/2009 sensible Regierungsdetails, darunter Insiderinformationen zur Bankensteuer und zu EU-Beziehungen, mit dem Finanzier.

Diese Handlungen haben zu einer polizeilichen Ermittlung gegen Mandelson wegen Amtsmissbrauchs geführt. Fraglich ist nur, ob es dabei bleibt.

Starmer: „Niemand von uns wusste …“

Starmer entließ Mandelson im September 2025 nach ersten E-Mail-Enthüllungen, in denen Mandelson Epstein als „best pal“ bezeichnete und ihn nach seiner Verurteilung 2008 unterstützte.

Doch die neuesten Akten haben den Druck auf Starmer verstärkt: Er gab zu, von der Freundschaft gewusst zu haben, behauptete jedoch, Mandelson habe ihn über die „Tiefe und Dunkelheit“ der Beziehung getäuscht.

Dennoch fordern Opposition und Teile seiner eigenen Partei seinen Rücktritt. Der schottische Labour-Chef Anas Sarwar erklärte, es gebe „zu viele Fehler“, und warnte vor einem „Ablenkungsmanöver“, das gute Politik ertränke.

Es geht um das ganze politische System

Der Skandal hat weitreichende Auswirkungen auf New Labour. Mandelson galt als Teil der „heiligen (oder unheiligen) Dreifaltigkeit“ von New Labour, zusammen mit dem Ex-Premier Tony Blair und dem Politikberater Alastair Campbell.

Campbell nebenbei, arbeitete in den 1980er-Jahren mit Robert Maxwell zusammen, dem Vater von Ghislaine Maxwell, Epsteins Lebensgefährtin und Mittäterin.

Mandelson steht symbolisch für New Labour. Und New Labour ist mehr als die Regierungszeit Tony Blairs von 1997 bis 2007. Keine andere britische Regierung seit dem Zweiten Weltkrieg hat das Land so verändert wie die von Tony Blair – auch nicht die von Margaret Thatcher.

Blair und seine Leute haben die Verfassungsrealität des britischen Staates grundlegend verändert. Sie übertrugen reihenweise staatliche Hoheitsaufgaben vom Parlament an Quango-Netzwerke (halbstaatliche Organisationen), die mit Loyalisten besetzt waren.

Aus diesem Grund wird Großbritannien auch heute, 19 Jahre nach Blairs Ausscheiden als Premierminister, im Geiste von New Labour regiert. Cameron war 2010 mit dem Wahlversprechen angetreten, diese Netzwerke zu zerschlagen und die Macht zurück ins Parlament zu holen, setzte dies jedoch nicht um.

Starmer klammert sich an die Macht

Das könnte nun nachgeholt werden. Lord Maurice Glasman, ein Labour-Peer (Mitglied des Oberhauses), forderte die Partei auf, New Labour als „fremden Körper“ abzustoßen, der zu „Perversion und Pädophilie“ geführt habe.

Starmer klammert sich derweil an die Macht, während Umfragen seine Beliebtheit auf 17 Prozent sinken lassen und Labour einen Verlust von über 330 Sitzen prophezeien.

Inzwischen ist Starmers wichtigster Mann, Stabschef Morgan McSweeney, bereits zurückgetreten. Das Amt wird derzeit von zwei Frauen kommissarisch verwaltet.

Juristisch betrachtet kann der Premierminister nur von einer Mehrheit im Parlament abgesetzt werden. Die Frage ist, ob sich dafür genug Labour-Abgeordnete finden werden. Denn auf perverse Weise zementieren die unterirdischen Umfragewerte von Labour Starmers Macht über die eigenen Abgeordneten.

Kaum einer von ihnen dürfte nach Neuwahlen noch im Parlament sein. Es ist also möglich, dass sich das Elend noch bis zu den nächsten regulären Wahlen im Jahr 2029 hinzieht.