In Frankreich holte der Rassemblement National bei den landesweiten Kommunalwahlen das beste Ergebnis seiner Geschichte. Doch außerhalb der Hochburgen blieb das Ergebnis zu schwach.

Das französische Wahlsystem macht es Außenseitern äußerst schwer. Schwerer noch als das britische. Werden in Britannien Abgeordnete nach einfachem Mehrheitswahlrecht gewählt, so braucht man in Frankreich für Ämter vom Bürgermeister über den Abgeordneten bis zum Präsidenten eine absolute Mehrheit. Erreicht kein Kandidat über 50 Prozent, so kommt es zur Stichwahl zwischen den beiden erfolgreichsten Kandidaten.
Allparteienbündnisse
Dies hat vor allem dem Rassemblement National (früher Front National) in seiner Geschichte schwer zugesetzt. Und auch jetzt, nach dem besten Kommunalwahlergebnis der Parteigeschichte, fürchtet die Partei um Marine Le Pen und Jordan Bardella Allparteienbündnisse in den Stichwahlen: Zusammenschlüsse von den konservativen Republikanern Emmanuel Macrons bis zu den Islamosozialisten Jean-Luc Mélenchons.
Stark im Süden
Keine Sorgen muss sich darüber Louis Aliot machen, der RN-Bürgermeister in Perpignan, der in der Départementhauptstadt in Südfrankreich gleich im ersten Wahlgang mit 50,6 Prozent bestätigt wurde. In kleineren RN-Hochburgen fielen die Ergebnisse teilweise noch deutlich höher aus: bis zu 81,4 Prozent in Bruay-la-Buissière und 77,7 Prozent in Hénin-Beaumont. Unter den Großstädten des Landes werden die Stichwahlen in Toulon (42,1 Prozent) und Marseille (35,0 Prozent) im zweiten Wahlgang spannend werden.
Schwach in Paris
Außerhalb des traditionell RN-freundlichen Südens war das Ergebnis aber weniger überzeugend. Besonders schwach in Paris, wo der RN-Kandidat nur 1,61 Prozent holte. In Paris ist der RN seit eh und je äußerst schwach. Ein gewisses Potenzial gäbe es aber. Die Kandidatin von Eric Zemmours Reconquête erreichte immerhin 10,4 Prozent. Die Entscheidung über Frankreichs Rathäuser wird am nächsten Sonntag fallen. Ob das zersplitterte Parteienkartell Frankreichs noch Allparteienbündnisse gegen den RN zusammenbringt oder nicht, wird ein Zeichen für die Aussichten Jordan Bardellas sein, 2027 Präsident zu werden.
