Klassische Statuen, KI-generierte Panzer. Alles unter der blauen Sternenflagge. Eine Klatsche für die erbärmlichste Psyop aller Zeiten. von Johannes Konstantin Poensgen

Das Internet ist voller Bots. Die Frage ist bloß, ob ihre Hardware aus Silizium oder aus Kohlenstoff ist. Seit einiger Zeit sind in Neuland die Eurofeds der neueste Schrei peinlicher Propaganda.
Der Stil
EU-Fahnen mit Kronen und Lorbeer. Damit das Ding nicht auf den ersten Blick aussieht, als hätte es eine Marketingagentur aus einem Berliner Yuppiviertel entworfen. Profilbilder, die ein kleines bisschen nach Hitlerjugend aussehen. Man will schließlich die Edgy-Zoomer abholen. Klassische Statuen, warum nicht. Macht schließlich jeder zweite Inder so, der den X-Algorithmus für Elonbucks farmt. Dazu viel Ukraine und Waffen europäischer Hersteller. Sofern die sternenbeflaggten Panzer nicht von AI-Production and Virtual Industries stammen.
NAFO-Recycling
Ich will hier gar nicht darüber spekulieren, wie viele dieser Accounts organisch sind, im beiderseitigen Sinne des Wortes. Oder wie viele von der Kommission bezahlt werden in deren Versuch, im Neuland Internet auf Feldzug zu gehen.
Zum Teil handelt es sich dabei um recycelte NAFO-Accounts. Was war nochmal NAFO? NAFO, die (North Atlantic Fella Organization), nannte sich zu Beginn des Krieges eine proukrainische Propagandatruppe in den sozialen Medien. Ihr Markenzeichen war ein bescheuerter kleiner Hund, und das beschreibt auch schon gut das Problem. Es hat in diesem Krieg endlose Reihen mehr oder weniger erfolgreicher Propagandaoperationen gegeben. Aber NAFO mutierte schnell zu einer Trollbrigade. Und auch wenn uns unsere Meinungsgouvernanten immer vor den Putin-Trollen gewarnt haben: Trolle sind schlechte Propagandisten, es sei denn, das Ziel selbst ist lächerlich. Ohne Oger kann man kein Drachengame spielen und geht allen nur auf den Keks.
Simpen für die EU „Supermacht“
Aber jede Angel braucht einen Wurm, und die Würmer, die die Fische fressen sollen, heißen Emmanuel Macron, Ursula von der Leyen und Kaja Kallas. In jüngerer Zeit ist sogar Friedrich Merz in diesen Heroenhimmel aufgestiegen. Dieses Personal, so lässt man uns wissen, wird Europa zu einer Supermacht machen. Oder wenn nicht mit diesen Politikern, dann zumindest mit anderen. Irgendwie. Erbärmlicher geht es gar nicht mehr. Was diese Leute ansprechen, ist der Wunsch, sich groß und stark zu fühlen. Und zwar ausgerechnet durch die EU!
Abgelenkte Projektionen
Auch wenn man nicht gerne darüber spricht: Viel in der Politik läuft darüber, dass man sich groß und stark fühlt. Man erfüllt sich eigene, unerfüllbare Machtfantasien, indem man sie auf den großen Führer oder das Vaterland projiziert. Das ist nicht nur schlecht. Ohne diesen Hang gäbe es überhaupt keine Identifizierung mit einem Gemeinwesen. Dass dieser Trieb von den Herrschenden ständig ausgenutzt wird, ist aber auch selbstverständlich. Ein einziger Blick auf den derzeitigen Zustand von MAGA reicht, um sich das in Echtzeit anzusehen.
Die Versuchung ist vor allem deshalb so groß, weil wir alle zusehen müssen, wie unsere Heimat von der dritten Welt geflutet wird. Dagegen zu kämpfen, nennt man es Remigration oder irgendwie sonst, ist mühselig und tatsächlich gefährlich. Da tritt einem schon mal die Polizei die Tür ein, und das ist ein Erlebnis, das der eigenen Machtfantasie nicht besonders gut tut. Dann geilt man sich lieber an Bildern des letzten Zeitenwende-Rüstungspaketes auf, mit dem im Ernstfall die letzten weißen jungen Europäer im Donbass verhetzt würden, um BlackRocks Investitionen vor Putler zu schützen.
Die EU ist die Lachnummer des Planeten.
Allerdings: Die „Fuck Yeah-America!“-Fraktion, die die Bombardierung des Irans und die Entführung Nicolás Maduros beklatscht hat, einfach weil es cool war, projiziert wenigstens auf ein richtiges Imperium. Es ist nicht ihr Imperium. Es ist das Imperium der Wall Street, von Silicon Valley und von Leuten wie Ben Shapiro. Aber immerhin ein Imperium. Die EU ist nichts dergleichen. Sie ist ein Nebenprodukt amerikanischer Hegemonie über den Kontinent. Jetzt, wo die Amerikaner nicht mehr ganz so nett sind, ist sie einfach die Lachnummer des Planeten. Soll ich mir eine Rede von Ursel anschauen und mich dann groß und mächtig fühlen?
Europa ist die EU – das ist das Problem
Und bevor jemand sagt: „Ja, aber dann nicht mit diesen Eurokraten, dann doch mit anderen. Europa ist nicht die EU“ Doch. Europa, das ist die EU. Jedenfalls politisch. Europa kann kulturell, historisch, geografisch oder ethnisch sein, was es will. Es gibt nur einen politischen Akteur namens Europa, und das ist die EU. Weniger noch die Institutionen als die politische Klasse in Brüssel selbst. Diese Leute, die Lagardes und von der Leyens und all ihre Mitarbeiter und Beamten, von denen man nie in der Presse liest. Das ist der politische Akteur namens Europa. Es gibt keinen anderen. Denn auch diese politische Klasse ist organisch gewachsen – im Windschatten Washingtons.
Das ist alles so absurd! Aber auf Twitter, da hat man es Putin und Trump heute wieder gezeigt. Und morgen sind wir Supermacht!

