Kanada ist ein geteiltes Land, nicht nur zwischen Anglo- und Frankokanadiern, sondern auch zwischen Ost und West. Nun beginnt in der rohstoffreichen Westprovinz Alberta die Vorbereitung für ein Unabhängigkeitsreferendum.

Dass es in Kanada einen schwelenden Konflikt zwischen dem frankophonen Quebec und den englischsprachigen Landesteilen gibt, ist allgemein bekannt. Weniger bekannt ist, dass auch das englischsprachige Kanada in Osten und Westen geteilt ist. Im Osten um die Metropolen von Toronto und Ottawa hat die Liberale Partei ihre Hochburgen, aus denen auch der derzeitige Premierminister Mark Carney sowie der langjährige Premierminister Justin Trudeau stammen. Der Westen ist dagegen von der Konservativen Partei geprägt.
Liberale gegen Bergbaueliten
Da der kanadische Osten bevölkerungsreicher ist als der Westen, bedeutet diese geografische Trennung für die Konservativen, dass sie tendenziell in der Minderheit sind. Die politische Teilung betrifft aber nicht nur das einfache Volk, sondern auch mächtige Eliteinteressen. Die Liberale Partei Kanadas vertritt die Interessen der „Laurentian Elite“, wie in Kanada die wirtschaftlichen, medialen und akademischen Führungskreise in den Metropolen um den Sankt-Lorenz-Strom genannt werden. Die Konservative Partei hingegen ist von den Interessen der Öl- und Bergbauindustrie im Westen des Landes geprägt.
Nur so kann man verstehen, warum in Alberta eine Initiative für ein Unabhängigkeitsreferendum anlaufen konnte. In einem ersten Schritt müssten mindestens 177.732 gültige Unterschriften gesammelt werden, 10 Prozent der bei der letzten Wahl abgegebenen Stimmen. Die Unterschriftenaktion läuft bis zum 2. März. Das Unterschriftenziel zu erreichen, haben die Initiatoren gute Chancen. Ein Referendum könnte dann nächsten Herbst stattfinden. Doch der Widerstand ist stark. Ein Gegenreferendum hat bereits über 400.000 Unterschriften gesammelt.
Indianerstamm will klagen
Der Stamm der Bloods, ein Indianerstamm, nicht zu verwechseln mit der afroamerikanischen Gang gleichen Namens, hat allerdings bereits juristische Schritte gegen das Referendum eingeleitet. Ihrer Ansicht nach verletzt das Unabhängigkeitsbestreben Verträge, die aus der Zeit vor der Gründung der Provinz Alberta im Jahr 1905 reichen.
