Südkorea düpiert: USA ziehen Luftverteidigung ab

Für Patriot- und THAAD-Systeme nahm Seoul chinesische Boykotte in Kauf. Nun ziehen die Amerikaner sie ab, um Verluste gegen den Iran zu ersetzen.

Das aktuelle Bild hat keinen Alternativtext. Der Dateiname ist: THAAD-1.png
(THAAD Batterie bei einer Übung: The U.S. ArmyRalph Scott/Missile Defense Agency/U.S. Department of Defense, Public domain, via Wikimedia Commons)

„Wir haben Bedenken gegen die Ausfuhr einiger Luftabwehrwaffen durch die US-Truppen in Korea aus militärischen Bedürfnissen der USA geäußert, aber es ist eine harte Realität, dass wir unsere Meinung nicht vollständig durchsetzen können.“ So kommentierte der südkoreanische Präsident Lee Jae-myung die Lage.

Behörden schweigen, THAAD wird verpackt

Offiziell hüllen sich die militärischen Behörden der Vereinigten Staaten und Südkoreas beide noch in Schweigen. Doch in südkoreanischen Medien gehen bereits Bilder um, auf denen eine THAAD-Batterie für den Transport zerlegt wird. Dreizehn militärische Transportflugzeuge sind seit Kriegsbeginn am 28. Juni mit angeschaltetem Transponder von der Militärbasis in Osan gestartet. Ob es weitere Transporte gab, ist für zivile Beobachter derzeit nicht ersichtlich.

Schutz vor Atomdrohung

THAAD steht für Terminal High Altitude Area Defense und ist ein System, das spezifisch für die Abwehr ballistischer Raketen in großer Höhe geschaffen wurde. Südkorea will sich dadurch gegen nordkoreanische Atomdrohungen absichern. Gleichzeitig stellen solche Systeme aber eine Gefahr für das Gleichgewicht der nuklearen Abschreckung zwischen den Supermächten dar. Der Grund: Während sich niemand darüber Illusionen macht, dass damit ein nuklearer Erstschlag mit Hunderten von Sprengköpfen abgewehrt werden könnte, sähe es für einen Zweitschlag, nach der Zerstörung zahlreicher Anlagen durch einen feindlichen Erstschlag, eventuell anders aus. Raketenabwehrsysteme dienen im Atomkrieg deshalb dem Angriff.

Für THAAD hat Südkorea Boykotte ertragen

Ähnlich wie Russland, das die Stationierung solcher Systeme in Osteuropa als Bedrohung der eigenen nuklearen Abschreckung betrachtet, hat China gegen die Stationierung von THAAD in seiner Nachbarschaft protestiert. Auch wenn es nicht zu offiziellen Sanktionen kam, organisierte die chinesische Regierung 2017 einen Boykott gegen südkoreanische Unternehmen. Die Volksrepublik ist Südkoreas wichtigster Handelspartner, und der Schaden des Boykotts ging in die Milliarden.

Nachbeschaffung dauert Jahre

Es ist nicht das erste Mal, dass amerikanisches Gerät aus Korea in den Mittleren Osten abgezogen wird. Im Irakkrieg 2003 war das auch passiert, und vor dem Schlag gegen iranische Nuklearanlagen letzten Jahres verlegten die Amerikaner Patriot-Systeme aus Korea. Das Bündnisabkommen zwischen den USA und Südkorea sieht vor, dass eine zeitweilige Verlegung nur einer Benachrichtigung durch die Vereinigten Staaten bedarf; ein permanenter Abzug wäre nur nach einer gemeinsamen Konsultation vertragskonform möglich.

Iran jagt gezielt die Radare

Was den Südkoreanern aber mehr Sorgen bereitet als diese juristischen Spitzfindigkeiten, ist: Anders als in früheren Kriegen und Krisen haben die USA gegen den Iran Patriot- und THAAD-System verloren. Insbesondere die Such- und Feuerleitradare AN/TPY-2 der THAAD, die Ziele auf bis zu 3000 km aufspüren können, werden von den Iranern gezielt angegriffen. Insgesamt verfügten die USA nie über mehr als 13 Radare dieses Typs, mindestens eines wurde zerstört, möglicherweise mehr, und die Nachbeschaffung dauert Jahre. Wenn die in Südkorea stationierte Batterie einmal in den Mittleren Osten verlegt wurde, dann wird sie wohl so schnell nicht wieder zurückkommen. Letztlich aber müssen die Südkoreaner feststellen, dass sie sich in dieser Sache „nicht durchsetzen können“. Die USA haben gerade andere Prioritäten, als ihre Bündnisverpflichtungen in Ostasien.