Der neue Landesvorstand der AfD NRW ist ein Kompromiss. Wie kann ein so zerstrittener Landesverband zu einem Modus Vivendi kommen? – Ein Kommentar von Johannes Konstantin Poensgen

„Es macht Hoffnung: Neuhoff ist nicht mehr Teil des Vorstands, die PAV-Mehrheit ist gebrochen, das Schiedsgericht unabhängig besetzt. Es liegt nun an Martin Vincentz, diesen Warnschuss der Basis in einen breiten Frieden umzusetzen. Das patriotische Lager steht parat.“ So kommentierte Matthias Helferich das Ergebnis des Landesparteitages der AfD-NRW letztes Wochenende.
So muss wohl ein Friedensangebot ausfallen, nachdem der Landesparteitag der AfD-NRW kein Ergebnis eingebracht hat, das für irgendeine Seite zufriedenstellend ist. Auch wenn wohl beide Seiten des zutiefst zerstrittenen Verbandes etwas anderes gehofft haben. Die nächsten zwei Jahre werden das Vincentz-Lager und das Helferich-Lager und all die anderen miteinander auskommen müssen. Zwei Jahre sind in der Politik eine lange Zeit.
Ein Weg zur Zusammenarbeit
Wie also soll man, wenn nicht zusammenfinden, das wäre zu viel verlangt, so doch zumindest einen Weg der Zusammenarbeit finden? Derartige Konfliktsituationen wurden an Modellen erforscht, und das Ergebnis war verblüffend einfach: Die beste Strategie in einem Konflikt ist Tit for Tat, also wie du mir, so ich dir. Man kooperiert mit dem anderen, und ab dort verhält man sich dem anderen gegenüber so, wie er sich verhalten hat.
Dabei gibt es nur ein Problem: Spielen beide so, dann kommt man aus einem Konflikt nie mehr raus. Das wird umso gefährlicher, weil es zwischen Menschen auch immer wieder zu Missverständnissen kommt. Wenn eine Seite die Handlungen der anderen als feindlich wahrnimmt, auch wenn sie das nicht sind, dann folgt daraus bei dieser Strategie ewige Feindschaft.
Vergebung vermeidet unnötige Feindschaften
Deshalb gibt es eine kleine Variation von „Wie du mir, so ich dir“, die diese Strategie wesentlich effektiver macht: Vergebung. Dazu muss man gar nicht viel christliche Tugend haben. Es reicht auch purer Eigennutz. Wenn man hin und wieder von vorne anfängt, dann kommt man besser weg. Vergebung vermeidet unnötige Feindschaften, endlose Dauerfehden, weil irgendwer mal bei irgendeinem Antrag so oder so abgestimmt hat, so was kann kein Politiker brauchen.

