Das sagte Peter Feist zu mir, nachdem er nicht so ganz – oder eher überhaupt nicht – mit dem einverstanden war, was ich auf dem X. Thing des Pluriversums zu sagen hatte. – Johannes Konstantin Poensgen

Der Pluriversum-Thing ist auch genau immer das: ein Pluriversum. Systemgrenzen der Einwanderung war dieses Mal das Thema. Wir haben es aus der Perspektive der Philosophie, der Biologie, der Politologie, der Geschichte und des Rechts betrachtet.
Volk Denken und Leben
Dass Herr Feist da optimistischer ist als ich, ist irgendwie der Sinn des Things. Sein Vortrag zur Lage der Nation und dem Migrationsproblem endete jedenfalls mit der Aufforderung, dass wir es in der Hand haben. Dass man aus den genetischen Daten der europäischen Menschen tatsächlich eine Karte unseres Kontinents zeichnen kann, dürfte den wenigsten Besuchern bewusst gewesen sein. Mathilda Huss erklärte nicht nur das, sondern auch, wie einzigartig das unseren Kontinent macht. In Indien oder in Amerika besteht eine solche feingegliederte regionale Struktur nicht. Indien gliedert sich auch genetisch bis heute nach Kasten. Die Vereinigten Staaten sind ein dreieckiger „Blob“ aus verschiedenen Einwanderungswellen.
Das Wort „erbaulich“ hat einen despektierlichen Beiklang, anders ist aber Alexander Tassis’ Klärung des Volksbegriffs im deutschen Denken und in der deutschen Kunst schwer zu beschreiben. Unser Gastgeber, Pluriversumsgründer Michael Dangel, hingegen schaffte es, auch dieses Thema irgendwie dazu zu benutzen, um wüste Schimpftiraden gegen den Sozialismus abzusondern.
Streit ums Recht
Dass die beiden am heißesten diskutierten Vorträge beide mit dem Recht zu tun hatten, war bezeichnend für unsere Zeit. Gerhard Vierfuß erklärte die Rechtsgrundlagen des Asylsystems und dass die Behauptung, aufgrund der Einschränkung nach dem Asylkompromiss von 1992 dürften Asylanten aus sicheren Drittstaaten gar nicht in Deutschland sein, schlichtweg falsch ist, da das Asylrecht von der deutschen Rechtsprechung inzwischen mit dem unabänderlichen Art. 1 verknüpft ist – auch wenn dies nach dem Asylkompromiss mangels entsprechenden Falls nie abschließend vor Gericht geklärt wurde. Vierfuß hält aus diesen Gründen eine Reform des Asylrechts auf europäischer Ebene für weitaus erfolgversprechender als auf deutscher.
Dass meine Wenigkeit der Ansicht ist, dass Migration im Rechtsstaat langfristig eine Einbahnstraße ist, weil Einwanderer Aufenthaltstitel erhalten, die viel einfacher zu verteilen als wieder zu entziehen sind, hat nicht zum ersten Mal für Kontroversen geführt. Peter Feist nannte es „den größten Schwachsinn“ oder so etwas in der Art. Nun, der weltanschauliche Kampf ist hart.
Remigration als Lagerkonsens
Spät am Samstagabend gab Peter Feist noch eine Zugabe zu den Schlachten Friedrich der Großes, was uns auf sieben Vorträge an einem Tag brachte. Die Einführung am Tag zuvor hatte Peter Malborn gegeben, und den Abschlussvortrag vom Sonntag hielt wie immer Christian Illner, diesmal zur Frage der Remigration als rechtem Lagerkonsens. Christians Vortrag ist bereits in der Tonfassung abrufbar; die anderen werden bald eingestellt.
