Voraussichtlich drohen Deutschland Mehrkosten um die 25 Milliarden Euro, diese kämen hauptsächlich osteuropäischen EU-Ländern zugute, von denen Deutschland Emissionszertifikate kaufen müsste.

Deutschland verfehlt die verbindlichen Klimaziele der europäischen Lastenteilungsverordnung (Effort Sharing Regulation, ESR) in den Nicht-ETS-Sektoren (Verkehr, Gebäude, Landwirtschaft, Abfall und kleine Industrie) voraussichtlich deutlich. Statt ausreichender eigener Emissionsminderungen drohen dem Bundeshaushalt hohe Ausgleichskosten durch den Kauf zusätzlicher Emissionszuweisungen (Annual Emission Allocations, AEA) von anderen EU-Mitgliedstaaten. Diese Zahlungen werden voraussichtlich an osteuropäische Länder mit geringeren Klimaauflagen stammen.
Deutschland Verfehlt EU-Emissionsziele
Laut den Projektionsdaten 2026 des Umweltbundesamts (UBA) vom März 2026 summiert sich die kumulierte Lücke für den Zeitraum 2021 bis 2030 auf 255 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalent. Die Abweichung ist gegenüber den Projektionsdaten des Vorjahres um weitere 29 Millionen Tonnen gewachsen. Hauptverursacher sind vor allem die Sektoren Verkehr und Gebäude.
Der Expertenrat für Klimafragen (ERK) hat diese Zahlen in seinem Prüfbericht vom 18. Mai 2026 geprüft und bestätigt. Gleichzeitig warnt das unabhängige Gremium, dass die UBA-Projektionen tendenziell zu optimistisch seien – insbesondere bei den Annahmen zu Sanierungsraten im Gebäudebereich und der Entwicklung im Verkehrssektor. Die reale Lücke dürfte daher noch größer ausfallen. Zudem wurde das ESR-Ziel erstmals im Jahr 2024 verfehlt, nachdem es in den Jahren 2021 bis 2023 noch eingehalten werden konnte. Die in den frühen Jahren aufgebauten Überschüsse („Banking“) reichen laut Expertenrat nur noch bis etwa 2026 aus.
Emissionshandel zwischen EU-Staaten
Im Gegensatz zu einer direkten Bußzahlung an die EU-Kommission handelt es sich bei der ESR um ein flexibles System. Mitgliedstaaten dürfen ungenutzte AEA untereinander handeln. Deutschland müsste daher fehlende Zuweisungen von Ländern mit Überschuss (vor allem osteuropäische Staaten) zukaufen. Das Geld fließt direkt an diese Staaten, die es für Klimaschutzmaßnahmen einsetzen müssen. Oder jedenfalls für etwas, das sie als Klimaschutz deklarieren.
Die genaue Summe hängt vom Marktpreis der AEA ab (Schätzungen liegen oft bei 50–100 €/t oder höher bei Knappheit). Bei 255 Mio. t und 100 €/t ergäben sich ca. 25 Mrd. € (ältere Schätzungen bei größeren Lücken lagen bei 22–90 Mrd. €). Die genaue Summe ist noch unsicher, da der Marktpreis und die tatsächliche Lücke 2030 entscheidend sind.
Finanziert werden sollen diese Ausgleichszahlungen voraussichtlich aus dem Klima- und Transformationsfonds (KTF). Umweltverbände kritisieren, dass damit Geld, das eigentlich für heimischen Klimaschutz vorgesehen ist, ins Ausland abfließt. Ansonsten müsste der Bund allerdings noch weitere Schulden aufnehmen.

