Mit Bier auf der Bühne

Eindrücke vom Jungeuropa-Verlagstreffen
von Johannes Konstantin Poensgen
(Und wem gehörte eigentlich dieses schwule Aperol?)

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(Bild: Jungeuropa)

Es waren zwei große Entscheidungen und viele kleine Details, die vielleicht nur der benennen kann, der schon viele solcher Veranstaltungen besucht und auch selbst schon welche organisiert hat. Das Verlagstreffen des Jungeuropa-Verlages war gut, richtig gut gemacht.

Die Planungen für solche Konferenzen, Kongresse, Verlagstreffen, Akademien oder wie man sie bezeichnen will, laufen ja immer nach demselben Muster ab: Wir wollen irgendwie Leute bespaßen. Kennt einer ein Thema? Wer kann Leute auf die Bühne bringen, die irgendetwas Interessantes zu sagen haben? Kriegen wir fünf oder sechs Vorträge auf einen Tag gequetscht?

Philip Stein und seine Mannschaft haben das anders gemacht. Was dieses Verlagstreffen aus wirklich allen anderen, die ich in dieser Hinsicht erlebt habe, heraushebt, war sein Rhythmus.

Africa Time

Anstatt den Tag so voll wie möglich zu quetschen, fanden insgesamt nur vier Veranstaltungen statt, die auch keineswegs besonders lange gedauert haben (außer das Ding mit den Künstlern, aber das hätte man ja wissen können). Wie lange genau, kann ich aber gar nicht sagen. Die Veranstaltung lief nämlich nach „Africa Time“. Der einzige Zeitplan war: Um 13 Uhr geht es los und um 21 Uhr ist es zu Ende. Dazwischen war nichts so genau festgelegt. Wie in Afrika, wo der Bus losfährt, wenn er voll ist, erklärte Philip Stein: Wenn die Bühne voll ist, geht es los. Diese Verwendung afrikanischer Zeiteinteilung mag nicht gerade geeignet sein, eine Fabrik zu organisieren, aber für Konferenzen ist sie ungemein wohltuend.

Die Pausen zwischen den vier Programmpunkten von etwa einer Stunde verhinderten den Bulimie-Lerneffekt, den sonst auf ähnlichen Veranstaltungen die dicht gedrängten Vorträge erzeugen. Wie lange jeweils „etwa eine Stunde“ war, das entschieden Philip Stein und die Länge der Schlange vor der Biertheke.

Nächstes Jahr wieder

Apropos Biertheke: Die Zeiteinteilung mag afrikanisch gewesen sein, die Alkoholkultur war hingegen sehr europäisch. Das heißt, es wurde auch auf der Bühne während der Debatte Bier getrunken. Oder eben Aperol, wenn einer ganz besonders jungeuropäisch sein wollte. Rauchen durfte man im Saal selbst nicht, aber ansonsten glich die Atmosphäre dadurch eher dem, was bis in die 1980er hinein normal gewesen war. Das klingt jetzt sehr „Europa Power Brutal“, aber damit es funktioniert, muss die Veranstaltung eben auch im richtigen Takt verlaufen. Taktgeber war Verlagschef Stein, der neben der Gesamtveranstaltung die beiden Podiumsdiskussionen moderiert hat: eine zu Ökologie und Technologie (mit yours truly) und eine über die Ukraine- und Europapolitik. Der einzige Vortrag war von Jonas Schick (ebenfalls über Ökologie), und zwischen dem politischen Teil gab es ein Literatursymposium, das von Susanne Dagan vom Buchhaus Loschwitz organisiert wurde. Nächstes Jahr auf jeden Fall wieder!